Die "Triathlongemeinschaft Sisu Berlin", so der volle Name, ist ein reiner Triathlonverein. Die Mitgliederzahl hat sich z.Zt. bei 90 eingependelt. Das Spektrum der Leistungsansprüche an den Sport sind dabei breit gefächert. Es gibt eine Handvoll Spitzenathleten, die aber alle echte Amateure sind, ambitionierte Freizeitsportler, die auch auf der Langstrecke gute Ergebnisse erzielen, solche denen dabeisein alles ist und solche, die gerade erst in fortgeschrittenem Alter festgestellt haben, dass zum Triathlon nur noch eine vernünftiges Schwimmtraining fehlte. Nicht nur das Leistungs- sondern auch das Altersspektrum ist breit - von Jugend bis über 60 Jahre ist alles dabei.
Im Juli 1987 war's - da saßen sechs Sportstudenten und ihr Dozent für Schwimmen zusammen, um dem gerade gegründeten Verein in der neuen Sportart einen Namen zu geben. Auf das Wesentliche sollte er abzielen, kurz und knackig sein, zum Überlegen anregen ...
Was wurde nicht alles diskutiert: TriStar, TriCeps (dreiköpfiger Armstrecker . . hätte garnicht gepasst, weil Radeln und Laufen nun 'mal Beinarbeit ist), alle möglichen Composita mit "Triathlon" ... bis dem Dozenten ein Wort einfiel, dass Heinz Maeger-lein (ein Fernsehkommentator aus der Fernseh-steinzeit, Wintersportexperte) im Zusammenhang mit Übertragungen im Skilanglauf bei finnischen Athleten gelegentlich gebrauchte, wenn er den Biss und das Durchsetzungsvermögen der Nordmänner beschreiben wollte. Die hatten oft in aussichtsloser Position ihre letzten Kräfte mobilisiert und dadurch meist gewonnen. Sisu nannte er es - und das war's: Sisu macht den Triathleten zum Kämpfer, seine mentale Stärke zur Grundlage für eine gute Leistung in Training und Wettkampf. Es war ein kurzer Begriff und noch heute wird gefragt: Sisu? Äh? Was is'n das ?
Burkhard Menke trat als erster Sisu zu einem richtigen Wettkampf im April 1988 an, run and bike (10/40 km) hieß das Ganze, vom SCC veranstaltet, später zum Duathlon gemausert. Bei der "Plötze" - d e m Triathlon in Berlin zwischen 1988 und 1994 - sahen wir im Juni in der Bilanz noch recht blass aus und wurden als Susis veräppelt.
Das änderte sich in '89, als es gelang, den Berliner Meister 87/88, Michael Meyer-Beer, einen Arzt, in den Verein zu holen. Michael wiederholte seine Erfolge von '87 und '88, Conny Bleul, damals Sportstudentin, wurde in und um den Plötzensee Berliner Meisterin. Sogar die beiden Teamwertungen (die jeweils drei Besten aus einem Verein) wurden gewonnen, also alle vier Titel in der Offenen Klasse.
Michael, der ebenso überragend lief wie er schlecht schwamm, beendete seine Laufbahn 1989. "Sisu" Bernd Meier, ein 1500-m-Schwimmer von den Wasserfreunden Spandau (der "natürlich" nicht sooo gut lief) löste Michael in 1990 als Berliner Meister ab. Nach einem Intermezzo von Holger Thiele, der damals für das TriTeam startete, kamen die drei "BM-Jahre" von Olaf Rennicke (92-94, FTL).
Unser bester Athlet in den Jahren 91-95 hieß Claus-Henning Schulke, der sich vorwiegend auf die Eisenmann-Distanz konzentrierte und über diese Wettkämpfe die ganze Welt kennengelernt hat (Australien, Neuseeland, Japan etc). Ganze 16 Ironmans hat er gefinisht, davon sechs auf Hawaii. Seine Bestzeiten von 8:54 bzw. 9:31 Stunden auf der Pazifikinsel können sich sehen lassen. Auch auf der Kurzstrecke leistete er weit überdurchschnittliches (1995 BM über die Kurzdistanz in Rathenow). Er ist noch heute ein vorbildlicher Kämpfer, der sich vor keinem Mannschaftswett-kampf drückt und gerade eben über die Mitteldistanz beim 5. Berlin-Man im Jahre 2000 als 34jähriger Platz 2 belegte.
Schon 1994 unterschrieb Bodo Klatte als Erster einen Vertrag mit Sisu als Jugendtrainer. Es folgten Gerd Schmidl, Oliver Büttel, Jörg Harke/ Tabata Wanjura und der jetzige Verbandstrainer Stephan Schaumburg. Große Früchte trug diese Arbeit vor allem in der Person von Stefan Hintze, der als erster Berliner in den nationalen C- und B-Kader kam. Er war 96-98 bester Sisu. Mit ihm an der Spitze gelang im Herbst 96 im friesischen Leer der Aufstieg in die 1. Bundesliga. 1997 wurde er Deutscher Meister der A-Junioren. In 1999 und 2000 trat Carsten Birkholz, ein Duathlon-Spezialist, in die Fußstapfen von Stefan als bester Sisu.
Die auf den ersten Blick etwas komplizierte Idee einer Triathlon-Staffel (vier Männer, eine Frau) wurde 1989 von den damaligen TriVB-Sport- und Jugendwarten Gerd Schmidl und Gerald Schulz ausgeheckt, um den Teamgeist in diesem Sport zu fördern. Achim Nanni von den Friesen setzte sie als Erster um, die Friesen zeichneten sich bis heute mit der Ausrichtung dieses Saisonabschlusses aus. Sisu hat - außer zum Auftakt (1990: LTC) und 1992 (FTL) - immer gewonnen, die letzten beiden Male allerdings durch Verstärkung von außen.
Bei der Liga-Idee war Sisu von Anfang an dabei. Die Frauen starteten schon im Debütjahr 1995 in der 1. Liga, die Männer nach dem Gewinn der Relegation (1996 im friesischen Leer) in 1997. Man stieg dann nach passablen Mittelplätzen aus der 1. Liga aus: Einige Athleten wollten nicht mehr, das Ganze war teuer, die Spitzenteams strotzten vor fast unschlagbaren Profi-Athleten. Aber immer war Sisu in der 2. Bundesliga vertreten, in den Erstligajahren mit den zweiten Teams und seit Installation der Seniorenliga 1996 immer auch mit "Oldies". Im Gegensatz zur Erstliga sind die Wettkämpfe im Osten noch alle windschattenfrei.
Auch in den jüngsten Jahren war Sisu sowohl im Breitensport als auch im Leistungssport zu finden. In mehreren Jahren kamen eine Zeitligamannschaft und eine Seniorenmannschaft zusammen. Die Zweitligamannschaft konnte die Saison 2002 souverän als Tabellenführer beenden und in die Bundesliga aufsteigen. Dort musste sie allerdings während der Saison 2003 feststellen, dass sie im stark mit Profis besetzten Umfeld nicht mithalten konnte, trotz guter Leistungen, die bestimmt nicht schlechter waren als im Vorjahr. Nach Überwindung der nachsaisonalen Depression wurde aber für 2004 wieder ein Zweitligateam aufgestellt.