Swiss City Marathon Luzern 29.10.2023

von Denise Kottwitz

Eigentlich ist die Luft raus, eigentlich Off-Season, eigentlich ein Wettkampf unvernünftig... Aber wenn sich die Läufertruppe, die sich letztes Jahr bei der Challenge Cyprus kennengelernt hat, zum Laufen beim Luzern trifft, kann ich einfach nicht Nein sagen.

Luzern zeigt sich mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und Temperaturen bis über 20 Grad am letzten Oktoberwochenende von der besten Seite. Das funkelnde Wasser des Vierwaldstättersees und die erhabenen Berge bieten eine fantastische Szenerie.

Zu der Laufveranstaltung werden ca. 12.000 Läufer erwartet, über die Hälfte wird die Halbmarathonstrecke bezwingen. Diese geht in einer großen Runde zum Großteil am Ufer des Sees entlang. Die Marathonläufer laufen mit einigen Modifikationen die Runde zwei mal, die 10 km-Strecke steigt in der Mitte ein.

Die Schweiz ist natürlich ein etwas teureres Pflaster, die Gebühr für den Lauf aber im üblichen Rahmen für einen großen Stadtlauf (ca. 70 Euro HM, 120 Euro Marathon). Darin enthalten ist die An- und Abreise mit der Bahn innerhalb der Schweiz, was unsere Gruppe vom Bahnhof Basel oder Flughafen Zürich gern in Anspruch nimmt. Ausserdem gibt es ein Funktionshirt von Salomon und auf der kleinen aber feinen Messe eine Stärkung in Form von Nudeln oder Rösti. Und man kann am Wettkampftag kostenlos mit der Fähre vom Bahnhof zum Verkehrshaus (Start- und Zielbereich) pendeln.

Am Wettkampfmorgen schauen wir uns den Start der Marathonis an, und fahren dann auch mit der Fähre zum Verkehrshaus. Hier gibt es für die Kleideraufbewahrung und späteres Duschen eine Sporthalle für die Frauen, und ein anderes Gebäude für die Männer. Wie legen dort unsere Sachen ab und schlendern Richtung Start. Was jedem von uns sofort auffällt: es gibt genügend Dixies. Sogar direkt vor der Startlinie. Nirgends anstehen und nervös werden. Ich bin um 10:10 Uhr in der zweiten Startgruppe, wobei beim Halbmarathon dies nichts mit der angepeilten Zielzeit zu tun hat. Apropos, ich hatte mich vor dem Rennen entschlossen einfach zu laufen, ohne auf die Uhr zu schauen. Es wird mir nicht ganz gelingen – dafür hätte ich die Uhrzeit ausschalten sollen.

Ich laufe zwar ambitioniert los, aber nicht auf Maximum. Und schon geht die Musikshow los. Blaskapelle, Dixieband, Rock, Alpenhörner… gerade hat man eine Kapelle passiert, hört man schon die Töne der nächsten. Die Strecke ist recht voll, aber durch die Startwellen kann man gut laufen. Stimmung an der Strecke ist wirklich der Wahnsinn. Nicht nur in der Innenstadt sondern auch am entferntesten Punkt. Wobei ich den Blick auf den See und auf die Berge auch in vollkommender Stille genießen könnte. 250 Höhenmeter klingen unbedeutend auf der Strecke, machen sich dann aber doch in zwei mühsamen Anstiegen bemerkbar.

Ich nehme mir die Zeit für Fotos und um mit dem Publikum rumzualbern. Laufgefühl ist gut, es ist aber doch ziemlich warm und ich bin froh nicht auf Maximum zu laufen. Als die Strecke vom See abbiegt und in die Ortschaft Horw geht, wird es noch mal richtig laut. Unglaublich was hier los ist, liegt wohl auch daran, dass hier die 10 Kilometer-Läufer starten werden. Außerdem gibt es hier einen (ein weiterer ist im Zielbereich) der angebotenen Marathonlinos (195 Meter für die Kleinen). Voll putzig, da jedes Kind hier die Startnummer 1 erhält.

Weiter entlang von Bahnschienen etwas dröge. Doch nur kurz, dann laufen wir durch das Fußballstadion des LC Luzern. Beeindruckende Kulisse, Stimmung ist aber an der Strecke besser. Zurück in die Innenstadt trifft man auf die Läufer, die gerade erst gestartet sind und biegt prompt ins nächste Highlight: mit Partybeleuchtung und Musik geht es durch das Kultur- und Kongresszentrum. Erinnert mich an den Zieleinlauf beim Frankfurt Marathon. Dann gibt es noch einen kleinen Schwenker durch die Altstadt, natürlich weiter mit viel Musik und Applaus. Die letzten 2 Kilometer Richtung Ziel sind dann etwas mühsam, vor allem ist hier kaum jemand der anfeuert.

Die letzten Startwelle des Halbmarathon geht gerade auf die Strecke, ich bin froh, dass ich nicht erst jetzt los muss. Kurz vor dem Ziel überholen mich der 1:40 h Pacemaker der mir folgenden Startwelle. Der ist mir aber zu schnell – den anderen wohl auch, denn er ist allein auf einsamer Flur. Für mich ist somit auch ohne Uhr mein Resultat klar. Zum Ziel geht es durch einen Bogen, durch die Eingangsbereich des Verkehrshauses, über den Hof, durch eine Tunnelröhre, durch einen Holzbau, über roten Teppich und dann endlich über die Zeitnahme.

Im Zielbereich ist es reichlich voll, ich gehe erstmal entspannt duschen, um dann unsere Truppe zusammenzusuchen. Das dauert eine Weile. So außergewöhnlich der Zielbereich mit Schilderwänden und Flugzeug im Verkehrshaus ist, so eng ist es hier. Aber schliesslich treffen wir uns auf das gemeinsame Finisher Bier und machen dann ein Picknick auf der Wiese am See. Ende Oktober!

Wer gern Stadtmarathons mit guter Stimmung mag, dem sei dieser Lauf uneingeschränkt zu empfehlen. Mein Mann meint auch, dass die zweite Runde des Marathons nicht nervig sondern ebenfalls unterhaltsam war. Wir treffen am Ende noch einen der Hauptorganisatoren. Er antwortet auf unser Lob zur Veranstaltung: "in zwei Jahren wird's noch besser". Man darf gespannt sein.

 


© TriGe Sisu Berlin; 14.11.2023